Eine Frau steht mit ausgestreckten Armen und dem Rücken zum Betrachter vor einem Wald

Betreff: „traurige Nachricht“

Juli 2026

Ich bekam eine Mail von einer mir unbekannten Mailadresse und mein erster Impuls war, diese direkt zu löschen. Auf mein Bauchgefühl vertrauend öffnete ich die Mail mit der Betreffzeile „traurige Nachricht“ doch und schon nach der ersten Zeile wusste ich, wer mir da schreibt. Ich kannte ihn aus den Erzählungen eines Freundes. In der zweiten Zeile erfuhr ich, dass dieser Freund verstorben ist. Ich las diese Zeile unzählige Male, doch die Worte machten einfach keine Sinn. Er konnte nicht Tod sein. Er war doch noch viel zu jung, nur ein paar Jahre älter als ich. Und ich wollte ihn doch in ein paar Monaten in Zürich besuchen. Wir hatten das doch schon besprochen. Wir mussten nur noch einen Zeitpunkt festlegen. Und jetzt ꟷ jetzt war er nicht mehr da. Ich würde ihn nie wiedersehen. Die Tränen liefen mir unaufhaltsam übers Gesicht und ich brauchte lange, um mich wieder einigermaßen zu beruhigen.

Mir geht es gut

In den Wochen nach dieser Nachricht dachte ich ständig daran, was ich (hoffentlich) noch alles würde tun und erleben können ꟷ und er nicht. Jedes Mal, wenn ich Zeit mit meiner Familie oder Freunden verbrachte und wir zusammen lachten, wenn ich etwas Schönes erlebte und mich über etwas freute, spürte ich bei dem Gedanken an meinen verstorbenen Freund eine tiefe Traurigkeit, weil er all das nicht mehr erleben kann. Gleichzeitig spürte ich aber auch noch etwas anderes: Dankbarkeit.

Ich bin jeden Tag dankbar, dass ich am Leben bin und dass ich gehen, sehen und hören kann. Ich bin dankbar, ein schönes Zuhause zu haben und für all die wundervollen Menschen in meinem Leben. Ich bin dankbar, dass ich beruflich das machen kann, was mir Freude macht und was mir wichtig ist. Ich bin dankbar für all die schönen Orte und Sehenswürdigkeiten, die ich schon auf meinen Reisen sehen durfte, für all die neuen Eindrucke und schönen Erinnerungen. Ich bin für sooooo vieles dankbar.

Der Tod erinnert uns daran, wie wir leben sollten

Der Tod meines Freundes hat mich schwer getroffen und ich habe es sehr bereut, dass unser Kontakt über die letzten Jahre immer seltener geworden ist. Ich habe es bereut, meinen Besuch in Zürich nicht eher geplant zu haben, nicht öfter mit ihm telefoniert und ihm zu selten gesagt zu haben, dass er mir, auch wenn wir nur gelegentlich Kontakt haben, wichtig ist. Das war eine sehr schmerzhafte, aber auch sehr lehrreiche Lektion, die wieder einiges bei mir in Gang gesetzt hat. Etwas zu bereuen ist kein schönes Gefühl ꟷ vor allem, wenn es keine 2. Chance gibt.

Lebst du schon dein Lieblingsleben?

Auch wenn ich jemand bin, der sehr gut alleine sein kann und das Alleinsein auch immer mal braucht, verbringe ich wieder mehr Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind. Ich sage ihnen öfter, wie wichtig sie mir sind. Und ich unternehme wieder mehr und gönne mir schöne Erlebnisse. Ich verschiebe Dinge, die mir wichtig sind, nicht mehr auf später. Ich arbeite daran, mir meine Träume zu erfüllen.

Wie sieht es bei dir aus? Verbringst du genügend Zeit mit deinen Eltern, deinen Geschwistern und deinen Kindern? Verbringst du genügend Zeit mit deinen Freunden? Umgibst du dich mit Menschen, die dir guttun, die dich lieben, respektieren und wertschätzen? Lebst du an einem Ort, der dir guttut? Arbeitest du in einem Job, in dem du einen Sinn siehst und der dir Freude macht? Nimmst du dir Zeit für dich und deine Bedürfnisse? Füllst du dein Leben oft genug mit schönen Ereignissen und Erfahrungen? Holst du dir das, wovon du „mehr“ im Leben willst, auch wirklich in dein Leben?

Du hast nur dieses eine Leben. Sollte es dann nicht dein Lieblingsleben sein? Sollte es nicht ein Leben sein, auf das du ohne Reue und voller Dankbarkeit zurückblicken kannst?

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